Abschlussbericht

„Mit Vollsaft voraus – Saftstrasse, die Lokalmosterei“

Der Workshop wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung durch die ANU (Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt Brandenburg) e.V. und das Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV) des Landes Brandenburg

Ziel des Workshops
Das Ziel des Workshops war der Bau von 3 Saftpressen, mit denen dann Umweltbildung in Form Safttagen betrieben werden kann. Bei diesen werden wird lokal/regional die Bevölkerung  eingeladen, um die selbst gesammelten Äpfel in einem gemeinsamen Prozess zu waschen, zu musen, zu Pressen, dann zu pasteurisieren und dann ab zu füllen.

Ablauf/Durchführung
Nach einer intensiven Vorbereitung durch den Aufbau einer improvisierten Werkstatt haben wir vom 1.9.2014 bis zum 3.9.2014 in Kuhlmühle 3 Saftpressen gebaut. Angeleitet und technisch unterstützt wurde der Workshop von Stefan Raabe vom Landkombinat Gatschow e.V. Nach wochenlangen Vorbereitungen von Materialeinkauf bis Vorbereitung der Räumlichkeiten war es dann am 1.September soweit.

Tag 1
Nachdem am Abend vorher bereits die ersten TeilnehmerInnen vom Eichelkamp in Potsdam  angereist waren, und auch der Workshopleiter Stefan Raabe fingen diese um 8.30 Uhr morgens an, die Maschinen abzuladen in die improvisierte Werkstatt, die in den Tagen vorher bereits eingerichtet worden war. Stefan Raabe hatte einen Anhänger voll mit Maschinen, vor allem den grossen Sägen mitgebracht, die für die Metallarbeiten an der Presse unerlässlich waren. Einige andere Maschinen waren bereits vor Ort, wie die Schweissgeräte und die Kreissäge, ein grosse Bohrmaschine schafften wir kurzerhand günstig an. Der Workshop-Organisator Simon van der Velden holte derweil den Stahl ab und die technischen Gase bei der Firma Partenheimer aus Wittstock.
Als der Stahl ankam, kamen auch gleichzeitig pünklich um 10.00 Uhr die anderen Teilnehmer_ Workshopteilnehmer_Innen an. Passenderweise gab es gleich eine Gemeinschaftsaktion, da es grössere Schwierigkeiten gab den riesigen Anhänger mit dem Sathl in die richtige Position zum Abladen zu bringen und alle kräftig mit anpacken mussten. Danach gab es erstmal eine längere Vorstellungs- und Willkommensrunde. Stefan machte eine intensive Einführung in die Konstruktion  der Presse und den Ablauf des Workshops.

Danach wurden die Arbeiten für den Tag verteilt und begonnen. Am ersten Tag sollten vor allem die Zuschnittarbeiten gemacht werden für die Presse und die Edelstahlbleche für die Saftwannen zugeschnitten werden, dh. Die Ecken mussten ausgeklinkt , die Seiten umgebogen werden, und dann das ganze ausgerichtet werden.

Nach einem gelungenen Vormittagkam es nach dem Mittagessen zu grösseren technischen Schwierigkeiten. Der Schalter von der Stahl-Bandsäge war durchgebrannt und zusätzlich gab es deutliche Überlastungserscheinungen bei den Haussicherungen.

Durch einen der Teilnehmer, der zum Glück Elektriker war, konnten diese Schwierigkeiten jedoch gelöst werden, wenn auch nicht schnell. Dafür wurde der Schalter aus der zweiten Säge die nicht ganz so leistungsfähig war ausgebaut, modifiziert und in die grosse Säge wieder eingebaut. Damit war die bessere der beiden Sägen wieder benutzbar, jedoch nur noch eine einsatzbereit.
Nach anfänglichen Sorgen von den Organisatoren am ersten Tag über das schlechte Wetter wurde schnell klar, das trotz nasser Kälte die Motivation der TeilnehmerInnen so hoch war, das das Wetter völlig egal war. Durch den stundenlangen Ausfall der Säge musste dann auch bereits am ersten Abend bzw Nacht die erste Nachtschicht eingelegt werden, wo vor allem die Organisatoren aber auch das „Team Potsdam“ mit dabei waren bis kurz nach Mitternacht.
Die Kümmern um Unterbringung und Verköstigung wurde während der gesamten Workshopzeit freundlicherweise von Mitgliedern des Zentrum für Nachhaltigkeit e.V.s übernommen.

Tag 2
Am nächsten Morgen ging es zeitig weiter, wieder mit höchster Motivation der Teilnehmenden. Nach einer Morgenrunde und der anschliessenden Arbeitsbesprechung standen auf dem (vollgepackten) Tagesprogramm vor allem der restliche Zuschnitt, alle übrigen Entgratungs- und Verschleifarbei, das Bohren der Führungssäulen, das Schneiden der Bolzen für diese und die dazugehörigen Hülsen, und das Schweissen der Stahl und Edelstahlteile beginnen. Auch die Bolzen wurden nach einer kurzen Einführung an der Drehbank von einem Teilnehmer alle daran gefertigt. Dazu musste noch gleichzeitig der Zuschnitt und das Fräsen der Rillen der Pressplatten passieren.

Dieses bereits volle Programm noch zusätzlich ergänzt von 3 Kurz-Schweiss-Workshops, die Simon van der Velden den TeilnehmerInnen anbot: 2x MAG-Schutzgasschweissen und 1x WIG-Edelstahlschweissen für die Wanne und die entsprechenden Rohrteile. Dieses Angebot wurde von allen TeilnehmerInnen begeistert angenommen. Für die meisten war es das erste Mal das sie Schweissen taten, und durch die nachfolgenden Arbeiten konnten alle ihre frisch erworbenen Kenntnisse vertiefen und festigen.

Leider gab es auch am zweiten Tag nochmals grössere Schwierigkeiten mit der Säge und wieder gab es Ausfall. Somit wurde auch die zweite Nachtschicht Gewissheit: Diesmal mussten der grösste Teil der Pressen-Teile ausgerichtet und vorgeschweisst (gepunktet) werden und ein Teil schon fertiggeschweisst werden, um am letzten Tag dann auch tatsächlich alle fertig zu kriegen. Die Nachtschicht dauerte  diesmal bis 2.00 Uhr, und alle die Lust hatten auf viel Schweisserfahrung kamen zum Zug.

Tag 3
Am nächsten Morgen, am letzten Tag des Workshops gab es morgens eine kurze knackige Morgenrunde und Arbeitsbesprechung. Es klang nach noch viel zu tun für die restliche Zeit, der Plan war, zwischen 16.00 Uhr und 18.00 Uhr fertig zu werden.

Es ging los und die Motivation war toll: die Edelstahlwannen wurden zu Ende geschweisst, der Loch für das Auslaufhahn gebohrt, der Hahn angeschweisst und die Wannen auf Dichtigkeit geprüft und nachgeschweisst. Die Löcher für die Bolzen in den Säulen der Presse wurden auf richtige Mass aufgefeilt, dann die entsprechenden Rohre mit WIG von den Teilnehmerinnen alle eingeschweisst.
Die Pressen-Oberteile, Mittelteile und Unterteile wurden zu Ende geschweisst und getestet. Und die Baurahmen für die Apfeltresterschichtung zwischen den Pressplatten wurden zusammengeschraubt.  Zum Schluss sollten alle Apfelpresse-Ober-, Mittel- und Unterteile noch lackiert werden. Dies war leider aufgrund von technischen Komplikationen äusserst unbefriedigend, sodass gegen 17.00 die erste Gruppe mit ihrer Presse dann unlackiert weg fuhr, mit einem sehr schönen Abschied voneinander.

Dynamik
Durch das alle Teilnehmer_innen aus anderen Vereinen und/oder Gemeinschaftsprojekten stammten, gab es sehr viel lebendigen Austausch und Vernetzung über unterschiedlichste Ansätze von Gemeinschaftsleben, Bildungsarbeit und Vereinsarbeit. Von Anfang an gab es eine schöne Verbindung aller TeilnehmerInnen und eine gute Portion „Kampfgeist“ durch das ehrgeizige Ziel in 3 Tagen 3 Pressen inklusiv allen benötigten Zubehörs wie den Baurahmen, der Wanne und der Pressplatten zu bauen.
Sowohl von der Gesamtstimmung als auch in der Feedbackrunde gab es einhellig ein „WOW“ und einen grossen Stolz, mit wenig bis keiner Metallerfahrung plötzlich selber eine solche Maschine gebaut zu haben. Die Freude darüber und auch noch die Vorfreude auf den gebrauch und das jeweils regionale Initiieren von „Safttagen“ war für alle sehr präsent.
Das eigene Handeln im kleinen Teams und das Handeln der Gruppe als ganzes, also der Koordination der einzelnen kleinen Teams war toll, und konnte nur so ein solches Ergebnis hervorbringen.

Ziel/Indikatoren/Ergebnis
Als Ziel stand die Befähigung der unterschiedlichen Gruppen dazu, regionale Safttage überhaupt veranstalten zu können mit einer solchen Presse. Diese Ziel wurde erreicht.

Ein anderes Ziel war, den Teilnehmer_innen dafür grundlegende Kenntnisse in der Metallverarbeitung beizubringen, damit sie selber dazu befähigt wurden, ihre eigene Presse zu bauen. Auch dieses Ziel wurde erfüllt, meiner Meinung nach sogar „übererfüllt“. Ich hatte vorher nicht damit gerechnet, das tatsächlich auch die anderen so viel schweissen würden und war selber als Kurz-Schweisslehrgangs-Facilitator ausserordentlich stolz auf „meine“ Schweisserinnen und Schweisser, von denen die allermeisten dies noch nie gemacht hatten, oder auch teilweise Berührungsängste hatten.

Der deutlich gemeinschaftsbildende Charakter des ganzen Workshops war ein guter Vorgeschmack darauf, was wohl auch bei den jeweiligen Safttagen passieren wird: Ein gemeinsames Ziel oder Produkt vor Augen zu haben, sei es jetzt die Apfelpresse oder Apfelsaft versetzt eine angeleitete Gruppe sich fremder Menschen in die Lage als Team zusammen zu arbeiten und ein Produkt zu schaffen. Dies schafft Raum auch für eigene und gemeinsame Reflextion über das Arbeiten, die Bedingungen, die Materialien und Ausgangsstoffe. Dies und die gleichzeitige Nutzung einer brachliegenden Ressource, nämlich dem Strassenobst was auf den Alleen teils vergammelt hat das Potential zu einer wortwörtlich exquisit schmeckenden Umweltbildung.

Simon van der Velden


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