Pilzzucht-Seminar in Kuhlmühle

Edelpilze wie Austernpilze oder Shiitake, die noch dazu auch lecker schmecken, können zu Hause ganz leicht selbst produziert werden. Wie das funktioniert, zeigte Dozent Danny Kaulitz bei seinem dreitägigen Pilzzucht-Workshop in Kuhlmühle bei Wittstock. Dafür waren die Teilnehmer aus ganz Deutschland angereist.

MAZ / Dosse Kurier, 21. April 2015
von Christamaria Ruch

Kuhmühle. „Pilze sind rätselhaft, aber gelten auch als hochwertige Produkte.“ Tilo Kaiser ist mit Heft und Stift gewappnet und möchte in die Geheimnisse der Pilzzucht vordringen. Im Zentrum für soziale und ökologische Nachhaltigkeit in Kuhlmühle besuchte er am Wochenende einen dreitägigen Workshop zum Pilzanbau.

15 Frauen und Männer aus dem gesamten Bundesgebiet fanden den Weg nach Kuhlmühle. Damit war der Workshop restlos ausgebucht und zeigte: Delikatesspilze sind bei Genießern gefragt. Austernpilze oder Shiitake gehören auf dem Markt zu den teuren Produkten. An dieser Stelle setzte der Kurs an. „Pilzzucht ist ein Bereich mit konkreter Selbstversorgung“, sagt Simon van der Velden. Er lebt seit vier Jahren in Kuhlmühle, arbeitet im Zentrum für Nachhaltigkeit und entwickelte die Idee für dieses Seminar. Auch er gibt zu: „Pilze sind für viele geheimnisvoll, doch wer sich damit beschäftigt, kann relativ einfach Nahrungsmittel im Delikatessbereich selbst produzieren.“ Ihm liegt am Herzen, dass „Leute zur Eigenermächtigung ertüchtigt werden und somit die Kultur des Selbermachens pflegen.“ Mit Danny Kaulitz steht an dem Wochenende ein promovierter Biochemiker bereit. Er arbeitet seit 2013 als freier Pilzzuchtdozent und vermittelt in Kursen die Grundlagen.

„Pilzzucht ist ein Nischenthema und wird an Universitäten kaum gelehrt“, so der 33-jährige Danny Kaulitz. Ihn trieb schon während des Studiums „der Forschergeist an, die Laborarbeit war reizvoll und die Methode der Pilzzucht interessant“. Dabei stand für ihn seit jeher im Vordergrund: „Wie kann mit einfacher Steriltechnik zu Hause Pilzzucht betrieben werden?“ Daraus entwickelte er seit 2012 die Seminare.

Egal, ob die Kulturen auf Stroh oder Baumstämmen wachsen, Ernteerfolge stellen sich recht bald ein. „Es gibt für jede Jahreszeit geeignete Pilze.“ Austernpilze rangieren an erster Stelle. „Austern sind für den Einstieg in die Pilzzucht ideal, weil sie ein breites Substratspektrum bieten. Außerdem stehen sie in verschiedenen Kulturen bereit.“ Kaulitz greift zur Schippe und schaufelt Strohpellets in eine Plastiktüte. Anschließend kippt er Pilzsubstrat von Austern, Gips und eine abgemessene Menge Wasser hinzu, vermischt alles und verschließt die Tüte. Schon nach wenigen Minuten beginnen die Pellets aufzuquellen. Später füllen sie den gesamten Platz in der Tüte aus. Die Frauen und Männer haken immer wieder nach. „Die Truppe ist wirklich sehr wissbegierig“, lobt der Dozent.

Dann reiht Danny Kaulitz Tüten auf, in denen das Pilzwachstum bereits fortgeschritten ist. Das ehemals hell- bis dunkelbraune Substrat ist von weißen Streifen ‒ den Pilzsporen ‒ durchsetzt. Eine andere Tüte zeigt sich nur noch ganz in Weiß und platzt scheinbar aus den Nähten. „Hier ist die Entwicklung der Pilzkulturen genau sichtbar“, sagt der Dozent. Damit der Pilz seine wahre Schönheit entfalten kann, muss die Tüte nach mehreren Wochen aufgeschnitten werden. Kaulitz zeigt, wie die kreuzförmigen Schnitte erfolgen, damit der lebensnotwendige Sauerstoff das Pilzwachstum anregt.

Wer sich für die Pilzkultur auf Stroh entscheidet, erntet schon nach einem Monat die erste Mahlzeit. „Damit sind jedoch nur zwei bis drei Ernten möglich, anschließend kann das Substrat kompostiert werden“, sagt der Dozent. Im Gegensatz dazu wachsen Pilzkulturen auf Baumstämmen zwar langsam. Dafür kann dort aber bis zu sieben Jahre lang regelmäßig eine Ernte erfolgen.

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